Achtsamkeit: So funktionieren die Übungen

Wir befinden uns auf einer Wanderung. Eine handvoll Kursteilnehmer sind im Kurs. Es geht um Achtsamkeit. Doch was hat das mit einer Wanderung zu tun. Hier kann man gezielt seine Achtsamkeit trainieren. Wie hört sich das Zwitschern der Vögel an? Wie riecht der Wald? Wie fühlt sich der Waldboden an, auf dem wir uns bewegen? Wenn man sich ganz genau auf seine Sinne konzentriert, dann werden wir feststellen, dass wir achtsamer werden.

Stressredukion im Blick

Dieses Beispiel aus dem vorherigen Absatz ist Teil eines Programms, das man MBSR-Training nennt – augeschrieben: „Mindfulness Based Stress Reduction“. Dieses Programm wurde vom amerikanischen Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn von der University of Massachusetts entwickelt. Ziel war es den Stress den wir wahrnehmen, durch Achtsamkeit zu reduzieren. Das Programm verbindet Übungen aus dem Yoga, der Körperwahrnehmung und der Meditation.

Reduziere Schmerzen und Depressionen

MBSR, also das Achtsamkeitstraining, hilft sogar dabei Ängste und Schmerzen zu bekämpfen. Studien wie die große Studie im Medizinmagazin „Lancet“ ergaben, dass achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie (MBCT) ähnlich gut vor Rückfällen nach einer Depression schützt, wie es Medikamente tun.

Deshalb ist Achtsamkeitstraining ein wichtiger Bestandteil der Therapie von Depression und Borderline-Patienten. Psychologe Stefan Schmidt, der an den Universitäten Freiburg und Frankfurt a. d. Oder lehrt und forscht sagt, dass Achtsamkeitstherapien schon lange kein Esoterik mehr sind. Sie werden nach und nach von der Schulmedizin anerkannt und angewendet.

Zeit wird Antworten bringen

Die Zeit wird zeigen, welche Effekte Achtsamkeitstraining auf die längere Sich haben. Anders als bei Medikamenten, die etwas verändern wollen, geht es bei Achtsamkeitstraining um Akzeptanz. Akzeptanz der Krankheit, des Schmerzes. Medikamente versuchen den Schmerz zu bekämpfen. Mit Achtsamkeitstraining versucht man sich mit dem Schmerz zu arrangieren.

Akzeptanz

MBSR-Begründer Kabat-Zinn sagt, dass der Kern des Achtsamkeitstraining die Akzeptanz ist. Man versucht nicht den Schmerz zu verdrängen, sondern man nimmt ihn wahr und versucht ihn von außen zu betrachten. Ohne Urteil. Ohne Wertung.

Ähnlich verhält es sich mit Emotionen wie Wut, Trauer, Angst.

Diese Übungen sind aber nicht einfach zu lernen. Man braucht Übung, um Vorteile aus der Methode zu ziehen. Gängig sind acht, jeweils 2 1/2 stündige Sitzungen. Manche Krankenkassen bezuschussen diese Präventivmaßnahme.

Eine der Standardübungen des Achtsamkeitstraining ist der sogenannte Bodyscan. Dabei legt sich der Patient auf eine Matte und soll nach einander die einzelnen Körperteile wahrnehmen. Als erstes soll er die Aufmerksamkeit in die Füße lenken. Den Kontakt spüren. Dann un die Unterschenkel, in die Oberschenkel usw. Dadurch kommt der Patient wieder in Kontakt mit seinem Körper. Er nimmt auch gezielter wahr wie es ihm jetzt in diesem Moment gerade geht.

Die Spirale negativer Gedanken durchbrechen

„Wenn man lernt, die Gedankenspiralen möglichst früh zu unterbrechen und die Welt mit offenem Geist betrachtet, kann das heilend wirken“, erläutert Wolff. Menschen die in schwierigen Lebenssituationen leben, können durch das Achtsamkeitstraining, Abstand zu ihren Probleme bekommen. So kann es sein, dass man wieder das Wunder der Natur zu schätzen weis, obwohl die Lebenssituation immer noch schwer ist. Das kann Achtsamkeitstraining bewirken.

Am besten übt man diese Übungen wenn man noch gesund ist. Je früher man diese Übung kultiviert, desto besser. Denn in schwierigen Situationen nehmen wir uns oft nicht die Zeit für diese Übungen. Wir sollten schon im gesunden Zustand diese Übungen anwenden, damit wir in Krisen darauf zurückgreifen können.